Mich fragte mal ein Kunde, für den ich viele Jahre arbeitete: „Was ist eigentlich Ihr Mehr-Wert?“ Seine Frage wurde von einem wenig freundlichen Gesichtsausdruck begleitet. Zugegeben! Ich war damals ganz schön perplex! Und er sagte es auch noch vor Angestellten. Mir war klar, er wollte unbedingt einen Grund finden, um mich los zu werden.

In einer solch direkten Konfrontation gelassen zu bleiben und vielleicht auch noch schlagfertig zu sein, ist sicher eine Herausforderung. Ganz besonders beim Thema Selbstwert und Geld. Klar ist auch, im Business-Kontext geht es immer um Geld und Eigenschaften, die Geld-Wert oder Geld-nützlich sind. Da tut es gut, keinen Illusionen nachzuhängen, auch wenn Job-Beziehungen freundschaftlich erscheinen mögen. Das Businessfeld ist dafür einfach nicht der passende Platz. Auch, wenn viele Menschen davon träumen.

Geld ist gelebter Selbst-Wert!

Jedes Problem kommt als Paket. Auch Geld und Selbst-Wert. Das habe ich gelernt! Das Paket hat einen Aufkleber. Auf dem Aufkleber steht: „Ich bin deine Ressource – entdecke mich!“. Manchmal steht auch drauf: „Ich bin deine Ressource – erinnere dich an mich! Also, wenn da meine Ressourcen drin sind, wie hilfreich ist es dann, das Problem anzumeckern. Erstens ist es damit nicht aus der Welt, und zweitens steigt vom Meckern mein Selbst-Wert oder der Wert auf meinem Konto auch nicht.

WERT ist, was ICH von mir denke

Im Fall meines Kunden habe ich mich ziemlich schnell nach der ersten Enttäuschungs- und Rachewelle hingesetzt und eine Bestandaufnahme meiner Stärken, meiner Erfolge und meiner Charaktereigenschaften gemacht, mit denen ich über die Jahre sicher nützlich war. Und ich habe auch aufgeschrieben, was ich hätte anders oder besser machen können. Ich wollte einfach selbst meine Macht zum Thema Wert und Geld aufbauen. Dazu musste ich meine Perspektive auf Wert und Geld wechseln. Den Aufwand habe ich natürlich nicht für ihn gemacht, sondern nur für mich. Denn mich macht es stark, meinen Selbst-Wert zu kennen und meinen Wert-Kontostand zu checken. Heute weiß ich, dass ich mich so gegen seine Attacke immun gemacht hätte. Wie gegen Bakterien oder Viren. Und dieses Immunsystem stärken, das kann nur ich selbst! Und auch mit Hilfe von Profis, wie einem Coach zum Beispiel.

Wert und Geld sind auch das, wie ich darüber spreche

Natürlich gab es Dinge, die ich hätte anders und besser machen können. Zum Beispiel den Mut aufbringen, Geldthemen ganz klar und deutlich anzusprechen. Ohne Groll, ohne Jammern, ohne Positionieren. Ganz nüchtern. „Was bietest du und wie kann das einem anderen helfen?“ Niemand „muss“ einen engagieren und einem Gehalt bezahlen. Nicht damit warten, bis es einer merkt. Denn das passiert nicht. Wieso auch? Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Die Auseinandersetzung mit dieser einfachen und gleichzeitig schweren Frage, gibt Sicherheit. Das verspreche ich. Sie gibt auch Raum für Möglichkeiten und Handlungsoptionen. Sie macht widerstandsfähiger gegen Angriffe oder Schmeicheleien. Es entspannt schicht die Lage für alle – für einen selbst und für die anderen. Beim Umgang mit Geld, eingeforderten Leistungen, Erwartungshaltungen, Kritik.

Eine positive Beziehung zu Geld kann jeder lernen

Ich beobachte viele Menschen, wie sie beim Thema Geld ins Schwimmen kommen. Sie denken, was sie laut sagen. „Ich habe nicht genug“. „Ich kann mir das leisten.“ „Ich arbeite so viel und es reicht nicht.“ „Der wird mir das nie bezahlen.“ Und viele dieser Sätze mehr! Und stets ist dabei die Energie auf den Mangel gerichtet. Der mag ja auch tatsächlich da sein. Aber er wird ganz sicher nicht kleiner, durch´s ewige Wiederholen des Problems.

Die „Zahl“ wirkt, wenn die Ausstahlung dazu passt

Vor kurzem kam eine Freundin zu mir, die nach Kinderpause wieder ins aktive Jobleben einsteigen wollte. „Was bin ich wert?“ frage sie mich. Gibt es eine Tabelle, wo ich nachschauen kann? Selbst, wenn es eine solche Tabelle gäbe und sie eine „Zahl“ bei einem Bewerbungsgespräch nennen würde, wie glaubwürdig wäre das? Wieviel „Gewicht“ hätte diese Zahl? Was, wenn die „Zahl“ nicht sofort einschlägt, sondern „verhandelt“ wird? Wie geht´s dann weiter? Wie wird ihr Auftreten sein? Unsicher? Enthusiastisch? Enttäuscht über vielleicht noch mehr Runterhandeln? Das Schnäppenchendenken ist schließlich weit verbreitet. Aus der Forschung wissen wir, dass Körperhaltung und Stimme über 90% der Wirkung auf andere Menschen ausmacht. Was glaubt ihr?

Lebe deinen Wert und dann kommt die Zahl …

Ich bin mir heute sicher, dass sich niemand sich davor verstecken kann, sich mit seinem Selbst-Wert auseinanderzusetzen. Konstruktiv bitte, wenn er das Heft des Handelns selbst in der Hand halten will. Deshalb wünsche ich mir persönlich, dass die Themen rund um Geld und Selbst-Wert in Schulen, Kindergärten, Unis und in der Ausbildung viel offensiver und unbelasteter gelehrt werden. Ohne sofort zu bewerten und zu sigmatisieren. Eltern können oft auch nur vermitteln, was sie selber wissen. Ich komme aus einem Elterhaus, das Streit und Mangel um Geld als Tagesthema hatte. Und wie froh bin ich, dass ich es heute anders weiß.


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